Filmstart jeweils 20.30 Uhr, ausser «Sieben Mulden und eine Leiche» (10.30 Uhr) und «Selins Tod» (19.45 Uhr). Bar ab 19.45 Uhr offen.
In der Physik bezeichnet der Begriff «weisses Rauschen» ein gleichmässiges Gemisch verschiedenster Frequenzen. Es gibt Menschen, die aus so einem zufälligen Geräuschteppich Stimmen heraushören, die ihnen Befehle erteilen, Geheimnisse verraten oder den Kontakt zu Verstorbenen herstellen. Lukas gehört zu ihnen. Er ist schizophren. Sanft beginnt der erste Kinofilm des jungen Hans Weingartner, der 2001 mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet wurde. Wiese, Wolken und ein paar junge Menschen sind etwas verschwommen zu sehen, eine Stimme mit unnatürlicher Aussprache trägt einen aufgeblasenen Text vor. Doch bevor wir abheben oder einschlafen, ist der Spuk vorbei, und wir begleiten den 19-jährigen Lukas (Daniel Brühl aus «Good Bye, Lenin!») auf seiner Fahrt vom Land in die Stadt.
Trauer um eine schizophrene junge Frau. Am 9. November 2002 ging die fast 18-jährige Selin zu Fuss in einen engen Eisenbahntunnel. Sie wurde vom Zug erfasst und starb. Sie litt seit fast einem Jahr an Schizophrenie. Sie hörte böse Stimmen, die sie beschimpften. Ob diese Stimmen sie zwangen, in den Tunnel zu gehen, oder ob sie an jenem Tag ihrem Leiden ein Ende bereiten wollte, das bleibt ihr Geheimnis. Jeder 100. Mensch weltweit ist schizophren; soweit die apodiktische Aussage der Fachleute. Dennoch wird die Krankheit weitgehend totgeschwiegen. Sie ist den Betroffenen nicht anzusehen, ist unberechenbar, hat viele Gesichter und sie wird zu Unrecht mit Wahnsinn, Tollheit und Aggression in Verbindung gebracht. Der Film zeigt die Trauer der Eltern, Freundinnen und Betreuerinnen. Er handelt vom Umgang mit einer tabuisierten Krankheit, von Ohnmachts- und Schuldgefühlen. Er thematisiert Schizophrenie als eine Krankheit, mit der man umgehen kann.
Gratiseintritt
Siehe auch «Schizophrenie»
Der Journalist Thomas Haemmerli macht aus den Aufräumarbeiten der Wohnung seiner tragisch verstorbenen Mutter einen Dokumentarfilm voller Galgenhumor. Sieben Baumulden füllen Thomas Haemmerli und sein Bruder Erik während der vierwöchigen Räumungsarbeiten der Dreizimmerwohnung ihrer Mutter. Nachdem ein Mitarbeiter von Rentokill die Leichenspuren der Mutter vom Boden gekratzt hat, machen sich die Brüder mit zugehaltener Nase auf, die Berge von Papier, Fotos, Haushaltsgeräten, Kleider, Katzenkacke – und was man sich sonst alles lieber nicht vorstellen will – aufzuräumen. Denn Haemmerlis Mutter war ein Messie. Je leerer die Wohnung wird, desto üppiger wird die bunt illustrierte Familiengeschichte. Trotzdem: Der Leichengeruch bleibt noch eine Weile in der Nase haften.
Gratiseintritt
Siehe auch «Messie-Syndrom»
Das Publikum in ihm unbekannte Welten mitzunehmen, ist eine von Darren Aronofskys Spezialitäten, wie er spätestens mit «The Wrestler» bewies. Jetzt begibt er sich in ein scheinbar noch härteres Milieu: die Welt des Balletts. Statt eines ausgebrannten Kämpfers, der vor den Trümmern seiner Existenz steht, erzählt er in «Black Swan» von einer ehrgeizigen Tänzerin, die alles daran setzt, ihre letzte grosse Chance zu ergreifen. Als nämlich der künstlerische Leiter (Vincent Cassel) der New Yorker Kompanie seine langjährige Primaballerina (Winona Ryder) abserviert, bietet sich Nina (Natalie Portman) endlich die Gelegenheit, vom Bühnenrand ins Rampenlicht zu treten. In einer Neu-Inszenierung von «Schwanensee» soll sie die Hauptrolle übernehmen und sowohl den weissen als auch den schwarzen Schwan tanzen. Doch zumindest der verführerisch-sinnliche Teil dieser Aufgabe fällt der strebsamen Unschuld sichtlich schwer, was Ninas Psyche mindestens so sehr unter Druck setzt wie die Erwartungen ihrer strengen Mutter (Barbara Hershey) oder das Auftauchen der lasziv-lebenslustigen Konkurrentin Lily (Mila Kunis).