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Wissen hilft, psychisch kranke Menschen besser zu integrieren

«… und jetzt», erzählte meine Freundin, «ist er seit Wochen in der Psychiatrischen Klinik und hat riesige Angst davor, wieder hinaus zu müssen». Meine Freundin kann immer noch nicht begreifen, wie es soweit hatte kommen können. Ihr Arbeitskollege engagierte sich sehr und war ständig daran, sich weiterzubilden. Dabei wirkte er immer aufgestellt und war sehr hilfsbereit. Natürlich erzählte er über die Jahre hinweg auch mal von Problemen, aber immer nebenbei und immer erst, wenn er bereits alles wieder im Griff hatte. Und jetzt das: Ein völliger Zusammenbruch und die Einweisung in eine Psychiatrische Klinik. Meine Freundin erzählte weiter – aber nicht mehr von ihrem Arbeitskollegen. Sie erzählt von ihren eigenen Ängsten: «Was passiert mit mir, wenn ich selber eines Tages die ständig wachsenden beruflichen Anforderungen nicht mehr bewältigen kann?»

Heute können wir offener über psychische Probleme reden. Das Bewusstsein, dass es jede und jeden treffen kann, ist in den letzten Jahren gewachsen. Nicht nur im privaten Kreis wird deshalb offener über Burnouts, Depressionen und andere psychische Erkrankungen gesprochen. Diese Gespräche sind ein erster Schritt und können den Betroffenen, ihren Angehörigen und den Arbeitskolleginnen und -kollegen helfen, ­Vorurteile abzubauen. Je mehr wir alle über psychische Krankheiten wissen, umso besser können wir mithelfen, psychisch kranke Menschen in der Familie und im Berufsleben zu integrieren. Wie bei anderen Krankheiten auch gibt es Präventionsmassnahmen und Behandlungen, um die psychische Gesundheit zu fördern, zu erhalten oder wieder herzustellen; Voraussetzung für deren Erfolg ist aber, dass wir endlich offen darüber reden.

Meine Freundin und ich haben noch lange darüber gesprochen, wo die gesunde Leistungsbereitschaft aufhört und die Überforderung beginnt und darüber, wie wir die Balance zwischen der Belastung im Alltag und der Erholung immer wieder zu finden versuchen; jede auf ihre Art.

Brigit Wyss Stiftungsrätin Solodaris Stiftung

 


«Je mehr wir über psychische Krankheiten wissen, umso besser können wir mithelfen, psychisch kranke Menschen zu integrieren. Wie bei anderen Krankheiten gibt es Präventionsmassnahmen und Behandlungen, um die psychische Gesundheit zu fördern; Voraussetzung für deren Erfolg ist aber, dass wir endlich offen darüber reden.»

Brigit Wyss, Stiftungsrätin Solodaris Stiftung

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